NABU Hessen-Pressemitteilung:

NABU HESSEN-PRESSEMITTEILUNG  |  NR 66/21  |  22. SEPTEMBER 2021

Insektenschutz / Garten

Im Herbst schon an die Hummeln denken

NABU Hessen bittet: Frühblüher als Starthilfe für Hummeln stecken

 

Wetzlar – Es geht auf den Herbst zu und damit ist jetzt genau der richtige Zeitpunkt, um den Hummeln und anderen Frühstartern für den Frühling den Tisch mit energiereicher Kost zu decken. Mit ihrem langen Rüssel saugen Hummeln bereits im zeitigen Frühjahr den Nektar aus tiefen Blütenkelchen von Frühblühern wie Krokus, Schneeheide und Märzenbecher. Auch an Sträuchern wie Salweide und Kornelkirsche sammelt sie Blütenpollen.

 

Frühblüher setzen oft schon ab Februar leuchtend-bunte Farbakzente im Garten. Für kälteunempfindliche Insekten wie die pelzigen Hummeln sind sie eine erste, unverzichtbare Nahrungsquelle. Im zeitigen Frühjahr fliegt die Hummelkönigin bereits bei Temperaturen zwischen zwei und sechs Grad im Garten umher und sucht in Totholzhaufen, Steinspalten und Mäuselöchern nach einem Nistplatz, wo sie ein neues Volk gründet. Das kostet viel Energie. Zu Beginn zehrt sie noch von ihren im Honigmagen eingelagerten Reserven. Doch schon bald sind diese aufgebraucht. „Wenn die Hummelkönigin im Frühjahr aus ihrer Winterruhe erwacht, braucht sie besonders viel Startenergie, schließlich will sie mal ein großes Hummelvolk aufbauen. Wir können ihr helfen, indem wir jetzt schon dafür sorgen, dass sie dann genug Futter findet und nicht erst lange suchen muss“, sagt Gerhard Eppler, Landesvorsitzender des NABU Hessen.

 

So erblüht die farbenfrohe Hummelnahrung im Garten

Um im zeitigen Frühling austreiben und blühen zu können, verfügen die Pflanzen über Speicherorgane, aus denen sie ihre Energie beziehen. Die gespeicherten Vorräte haben sie in der letzten Vegetationsperiode angesammelt, etwa in Form von Stärke. Die Speicherorgane können Zwiebeln sein, wie bei Schneeglöckchen oder Krokussen, oder sogenannte Rhizome. In diesen meist unterirdisch wachsenden, verdickten Sprossen speichern zum Beispiel Schlüsselblumen und Buschwindröschen ihre Nährstoffe. Weitere häufige Frühblüher im Garten sind Narzissen oder Traubenhyazinthen mit ihren traubenförmigen Blütenständen in Weiß, Blau, Violett oder Rosa. Auch Blaustern und Buschwindröschen sind beliebt.

 

Damit die zarten Blüten auch optisch ihre Wirkung im Garten oder Topf entfalten, sollten mehrere Dutzend gemeinsam gepflanzt werden. Das ist noch bis in den November sinnvoll. Zu früh sollten die Pflanzen nicht ins Beet wandern, damit sie in einem sehr milden Herbst nicht im selben Jahr austreiben und bei Frost erfrieren. Zum eigentlichen setzen gibt es folgende Faustregel: Das Pflanzloch sollte doppelt so tief sein, wie die Blumenzwiebel oder Knolle hoch ist. Ganz wichtig ist beim Stecken, dass die Spitze, also die Sprossseite nach oben zeigt.

 

Beliebte Frühblüher für Insekten:

 

  • Buschwindröschen (Anemone nemorosa): weiß, März-Mai, artenreiche Gattung
  • Gefingerter Lerchensporn (Corydalis solida): blau-lila, Mitte März-Mai
  • Hohler Lerchensporn (Corydalis cava): weiß, purpurrot oder violett, März-April
  • Huflattich (Tussilago farfara): Februar-April, gelb, Aussehen wie ein kleiner Löwenzahn ohne Blätter, die erst nach der Blüte erscheinen
  • Krokus (Crocus): rosa bis weiß, Februar-März, Irisgewächs, manche Arten vermehren sich selbst per Brutknollen oder Aussaat. Ausbreitungsfreudig ist der Elfen-Krokus, der schon ab Ende Januar blüht
  • Leberblümchen (Hepatica nobilis): blauviolett, wärmeliebend, März-April, blüht im Halbschatten bis Schatten unter Laubgehölzen
  • Märzenbecher (Leucojum vernum): weiß, Februar-Anfang April, zarter Veilchenduft
  • Narzisse (Narcissus pseudonarcissus): meist gelb, Februar-Anfang Mai, viele wilde und gezüchtete Sorten, vermehrt sich
  • Scharbockskraut (Ranunculus ficaria): gelb, März-Mai
  • Schneeglöckchen (Galanthus nivalis): weiß, Februar-März
  • Traubenhyazinthe (Muscari): meist kräftig blau, weiß, violett oder rosa, März-Mai
  • Wiesen-Schlüsselblume (Primula veris): leuchtend gelb, März-Juni
  • Winterling (Eranthis hyemalis): gelb, Februar-März, Blüten schließen sich nachts und bei schlechtem Wetter
  • Zweiblättriger Blaustern (Scilla bifolia): grau-blau bis violett, selten weiß, März-April

 

Mehr Informationen:

Bezugsquellen für Frühblüher

Das Hummeljahr im Garten

 

Für Rückfragen:

Dr. Kathrin Kaltwaßer

Referentin für Umweltkommunikation

Tel.: 06441-67904-18

 

Mobil: 0170-2256343


NABU HESSEN-PRESSEMITTEILUNG  |  NR 65/21  |  20. SEPTEMBER 2021

Halbzeitbilanz Living Lahn-Projekt am Di, 21.9.2021

Fortschritte im Kleinen, aber kein großer Wurf

NABU und BUND Hessen: Bisherige Bilanz beim Living Lahn-Projekt ungenügend

 

Wetzlar / FrankfurtDie hessischen Landesverbände des Naturschutzbundes Deutschland (NABU Hessen) und des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND Hessen) ziehen anlässlich der Halbzeit des „Living Lahn Projektes“ eine kritische Zwischenbilanz. Jörg Nitsch, Vorsitzender des BUND Hessen: „Die bisherige Bilanz ist ungenügend. Es gibt punktuelle Fortschritte, aber keine durchgreifende Verbesserung der Gewässerökologie entlang des Flusslaufs.“ Gerhard Eppler, Landesvorsitzender des NABU Hessen, vermisst insbesondere einen strategischen Ansatz, um die Fließgeschwindigkeit des Flusses zu erhöhen. Die Lahn sei durch eine Vielzahl von Staustufen überwiegend eine Seenkette. „Von einem so großen Projekt hätten wir uns nach fünf Jahren eine konkrete Zeit- und Maßnahmenplanung erhofft, wann und wo die Arbeiten beginnen“ kritisiert Eppler. Stattdessen sollen im Rhein-Lahn-Kreis in Rheinland-Pfalz sogar sechs Wehrneubauten erfolgen. Hier würden vollendete Tatsachen geschaffen, bevor das geplante Lahnkonzept überhaupt fertig sei. An dieses Konzept haben die Verbände die Erwartung, dass es eine umsetzungsreife Grundlage wird, um den Flusslauf und seine Aue zu renaturieren. Nach fünf Jahren sei man aber immer noch im Stadium, unterschiedliche Erwartungen und Konflikte zu sammeln, die schon lange bekannt seien.

 

Eine naturnahe Lahn braucht vor allem mehr Platz. Nur so kann sie ihr Potential als Ökosystem und für den Hochwasserschutz zurückgewinnen. Zu einem lebendigen Flussauenökosystem gehören Unterwasservegetation, Kiesbänke, strukturreiche Ufer und steile Abbrüche, Altwässer, Flutmulden mit Röhricht, Auenwälder und Feuchtwiesen. Die Verbände hatten 2019 das federführend vom NABU formulierte Zielartenkonzept vorgelegt, das bisher leider keine Berücksichtigung fand. Die darin ausgewählten Arten wie Rohrdommel, Purpurreiher, Nachtreiher, Flussuferläufer, Tüpfelsumpfhuhn, Uferschwalbe, Lachs, Geburtshelferkröte, Bachmuschel sind Indikatoren für auentypischen Lebensräume. Diese wurden an der Lahn schon vor langer Zeit durch Begradigung, Ausbau und Aufstau der Lahn zerstört. In der Folge waren dann auch die typischen Arten verschwunden.

 

Für Rückfragen

Mark Harthun, Landesgeschäftsführer Naturschutz, NABU Hessen, Tel.: 0170-3652404

 

Thomas Norgall, Stellv. Geschäftsführer des BUND Hessen, Tel.: 0170-2277238


NABU HESSEN-PRESSEMITTEILUNG  |  NR 64/21  |  14. SEPTEMBER 2021

 Vielfalt statt Schotter am Ort der letzten Ruhe

NABU plädiert zum Tag des Friedhofs für mehr Artenvielfalt auf Friedhöfen

 

Wetzlar – Anlässlich des diesjährigen Tages des Friedhofs am 18. und 19.09.2020 unter dem Motto „Natürlich erinnern“ ruft der NABU Hessen dazu auf, die Artenvielfalt auf Friedhöfen zu bewahren. „Friedhöfe sind Refugien für bedrängte Stadtnatur. Sie leisten so einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt und bieten uns Menschen gleichzeitig einen Ort der Andacht und Erholung“ sagt Gerhard Eppler, Landesvorsitzender des NABU Hessen. Wie artenreich Friedhöfe sein können, zeigen gerade historische Anlagen. In diesen jahrhundertelang gewachsenen Biotopen finden zahlreiche Vogel- und Insektenarten, Igel, Eichhörnchen, Bilche und Fledermäuse, aber auch Eidechsen einen sicheren Rückzugsort. Leider zeigt sich aber gerade in neueren Anlagen, ähnlich wie bei den Vorgärten, immer mehr ein Trend zu naturfernen Gestaltungen mit Schotter.

 

Vielen Menschen fehlt heute die Zeit für eine aufwändige Grabpflege, oder die Angehörigen wohnen schlichtweg nicht mehr im gleichen Ort und können sich nicht regelmäßig um die Gräber ihrer Lieben kümmern. Da klingt das Versprechen eines pflegeleichten, aber immer ordentlichen Grabes, dass zudem nicht gegossen werden muss, natürlich verlockend. Allerdings bleibt dabei die Natur leider auf der Strecke. „Gräber mit Schotterflächen sind aus Sicht des Naturschutzes äußerst bedenklich“, gibt der Biologe Eppler zu bedenken. „Anders als in echten Steingärten, die, wenn sie fachgerecht angelegt werden, vielen Insekten Nahrung bieten, finden sich auf den mit Schotter gestalteten Gräbern kaum noch Pflanzen. Diese Flächen bieten daher keine Lebensräume und Nahrung für Insekten oder Vögel. Wenn es überhaupt Pflanzen gibt, dann sind das meist keine heimischen Arten.“ Pollen, Nektar oder Samen, welche von Vögeln oder Insekten als Nahrung genutzt werden könnten, haben diese Pflanzen nicht. Die Böden sind zudem meist versiegelt, hier finden Amseln und Co. nicht einen einzigen Regenwurm.

 

Auch für Menschen ist der viele Schotter auf dem Friedhof nicht gut. Die Steine heizen sich stark auf und fördern so die Erwärmung der Stadt. Allergene, Pollen und Schadstoffe aus der Luft werden nicht, wie bei begrünten Gräbern, durch das Laub gefiltert. Auch pflegeleichter sind die Gräber so nicht wirklich, da die Steine mit den Jahren Moos und Algen ansetzen. Zwischen den Steinchen sammeln sich Laub und Staub. Der Schotter muss dann aufwendig gereinigt oder sogar ausgetauscht werden. Die grünen Oasen der Friedhöfe mit ihrer einzigartigen ruhigen und besinnlichen Atmosphäre drohen zu Steinwüsten zu werden.

 

Mancherorts haben die Friedhofsämter schon Gegenmaßnahmen ergriffen und den Schotter von ihren Flächen verbannt. Immer häufiger fördern die Ämter die Artenvielfalt auf ihrem Friedhof sogar aktiv, indem zum Beispiel seltener gemäht wird, Blühwiesen statt Rasen angelegt werden, Laub- und Totholzhaufen geduldet, mehr Natur in wilden Ecken zugelassen und Gehölzschnitte nur außerhalb der Brutzeit durchgeführt werden. Ferner bieten viele Friedhöfe inzwischen Nistmöglichkeiten für Vögel und Insekten an.

 

„Mit diesen Maßnahmen ist der Artenvielfalt schon viel geholfen. Aber auch jede*r von uns kann bei der Grabgestaltung durch eine naturnahe Bepflanzung selbst noch etwas für die Tier- und Pflanzenwelt tun. Verwenden Sie heimische Pflanzen und achten Sie auf ungefüllte Blüten, um Insekten Futter zu bieten“, rät Gerhard Eppler. Mit der richtigen Gestaltung, machen naturnah gestaltete Gräber kaum Arbeit. So unterdrücken Pflanzen, die den Boden bedecken und langsam wachsen, unerwünschte Wildkräuter und brauchen selbst kaum Pflege. Für trockene, sonnige Standorte eignen sich beispielsweise Polsterdost, Storchschnabel oder blaues Silbergras. Im Schatten gedeihen Haselwurz und Waldmeister als Bodendecker mit einem Fingerhut als Hingucker. Auch die Akelei fühlt sich im Schatten wohl. Mit dem Willen zu mehr Natur auf dem Friedhof, haben zahlreiche selten gewordenen Arten wieder echte Perspektiven im Siedlungsraum.

 

Mehr Infos zum Tag des Friedhofs: https://www.bund-deutscher-friedhofsgaertner.de/tag-des-friedhofs/aktuelles-motto/

Beispiele zu pflegeleichte Alternativen zum Schotter https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/oekologisch-leben/balkon-und-garten/grundlagen/planung/

 

Für Rückfragen:

Dr. Kathrin Kaltwaßer

Referentin für Umweltkommunikation

Tel.: 06441-67904-18

 Mobil: 0170-2256343


NABU HESSEN-PRESSEMITTEILUNG  |  NR 62/21  |  06. SEPTEMBER 2021

Wohin sind unsere Vögel verschwunden? 

NABU Hessen erklärt, warum gerade so wenige Vögel gesehen werden

 

Wetzlar – Nach der turbulenten Zeit der Jungenaufzucht ist jetzt im Spätsommer in vielen heimischen Gärten Ruhe eingekehrt. Doch viele Gartenbesitzer*innen sind durch eben diese Ruhe verunsichert. Das morgendliche Konzert der Vögel ist verstummt und viele Menschen fragen sich, was aus ihren Gartenvögeln geworden sein könnte. 

 

Auch beim NABU häufen sich die Anrufe besorgter Vogelfreund*innen. Dabei gibt es für dieses Phänomen eine einfache Erklärung: „Der Gesang der Vögel hat zwei Funktionen: einen Partner anzulocken und das Brutrevier zu markieren“ erklärt Gerhard Eppler, Vorsitzender der NABU Hessen. Entsprechend haben die Vögel außerhalb der Brutzeit keine Notwendigkeit zu singen. Denn sobald die Jungen bei den meisten Arten ab Mitte Juli das Nest verlassen, müssen die Eltern ihr Territorium nicht weiter verteidigen und "haben frei". Jetzt noch vehement das Revier mit Gesang zu verteidigen würde bloß unnötig Fressfeinde auf die Vögel aufmerksam machen. Es besteht also kein Grund zur Sorge – diese Änderung im Verhalten ist normal!

 

Doch unsere Gartenvögel haben noch einen weiteren Grund sich derzeit rar zu machen: Nachdem die Jungenaufzucht beendet ist, beginnt bei den meisten Arten die Mauser. Der Austausch sämtlicher Federn benötigt mehrere Wochen. Während dieser Zeit sehen die Vögel zerzaust aus und können schlechter fliegen, da auch die Flügelfedern erneuert werden. Deswegen verbergen sie sich so gut wie nur möglich, um Feinde nicht auf sich aufmerksam zu machen. „Dabei entsteht leicht der Eindruck, die Vögel seien einfach verschwunden“ so Biologe Eppler. Wer seinen Garten vogelfreundlich gestaltet, bietet den gefiederten Nachbarn also nicht bloß natürliche Futterquellen, sondern auch die nötigen Rückzugsräume für diese sensible Zeit.

 

Auch das veränderte Nahrungsangebot im Spätsommer trägt dazu bei, dass die gewohnten Gartenbesucher scheinbar verschwinden. Denn jetzt gibt es reichlich reife Früchte und Samen. Genau das Richtige, um sich für den Winter oder den Zug Richtung Süden ein bisschen Speck anzufuttern. „Viele Vögel verlassen daher ihr Nistgebiet und ziehen dorthin, wo sie die besten Futterquellen vorfinden“ berichtet Eppler. Amseln und Singdrosseln suchen dann gerne die Stellen mit einem reichen Angebot an Früchten oder Beeren auf. In landwirtschaftlich geprägten Gebieten fliegen Spatzen und andere Finken zum Festschmaus hinaus auf die Felder, wenn es dort vor der Ernte einen Überfluss an Getreide und nach der Ernte leckere Reste gibt. Auch die Meisen verlassen ihre Reviere, wenn die Jungen flügge sind. Sie ziehen im Spätsommer im lockeren Familienverband außerhalb ihrer Brutreviere umher. Kein Wunder also, dass viele Gärten auf einmal wie leergefegt wirken! Selbst in Städten werden Spatzen und Finken von jedem Stücken Erde geradezu magisch angezogen, wenn sie dort eine größere Menge an Grassamen erwartet. Erst mit den Herbstfrösten kehren die Vögel wieder in größeren Zahlen in unsere Gärten zurück.

 

NABU-Infoseite zum Thema

Die NABU-Vogelwelt-App: www.NABU.de/vogelwelt

Tipps für einen vogelfreundlichen Garten: www.nabu.de/vogelgarten

 

Für Rückfragen:

Dr. Kathrin Kaltwaßer

Referentin für Umweltkommunikation

 

Mobil: 0170-2256343